Der Bereich der Heilkunde ist so umfassend und so weitverzweigt, dass niemand ihn in seiner Gesamtheit überblicken kann. Daher sind auch alle generellen Aussagen darüber mit Vorsicht zu genießen: Sie stimmen und stimmen gleichzeitig auch nicht. Ist der Gesundheitsbereich etwas Besonderes? Der Gesundheitsbereich unterliegt ohne Zweifel denselben Gesetzmäßigkeiten wie andere Bereiche auch: Es gibt hier hervorragende, gute, aber auch mittelmäßige Personen und Institutionen, so wie überall. Wieso sollte es hier eigentlich anders sein als überall sonst? Der haupsächliche Unterschied liegt aber darin, dass unsere Erwartungshaltung den Repräsentanten des medizinischen Bereichs gegenüber außergewöhnlich hoch ist. Da wir Ärzte oft als Herren über Leben und Tod empfinden - was sie manchmal ja tatsächlich auch sind - fehlt uns zu ihnen die kritische Distanz, die aber notwendig wäre, um ihnen gerecht zu werden. Es sind nämlich auch nur Menschen, auch wenn wir sie manchmal als "Götter in Weiß" empfinden, und auch wenn sich manche von ihnen uns gegenüber manchmal so benehmen. Ein Wort zu den Institutionen Alle Institutionen unterliegen im Laufe ihrer Entwicklung bestimmten Gesetz-mäßigkeiten und auch Wandlungsprozessen: Sie neigen dazu, sich zu verselbständigen und Eigeninteressen zu entwickeln. Das ist in jeder größeren Firma zu beobachten, in der einzelne Abteilungen manchmal statt miteinander auch gegen einander arbeiten. In der ein Abteilungs-leiter "nein" sagt, nur weil der andere Abteilungleiter "ja" gesagt hat. Es wäre vermessen, anzunehmen, dass die Institutionen des medizinischen Bereichs hier eine Ausnahme bilden, denn wieso sollten sie? So ist etwa die Konkurrenz der Krankenversicherungen untereinander genau so hart wie die der Ölkonzerne. Und das betrifft nicht nur private Versicherungen, sondern auch die Unternehmen der Sozialversicherung. Damit müssen wir leben lernen! Das ist das die eine Seite der Medaille. Lasst Euch nicht so viel gefallen! Die andere Seite besteht darin, dass wir uns gegen Unrecht, oder gegen vermeint-liches Unrecht, entsprechend zur Wehr setzen müssen. Wie aber sollen wir das tun? Zugegeben, das ist nicht immer einfach. Aber es gibt in unserer Gesellschaft eine ganze Reihe von Institutionen, denen ganz offiziell die Aufgabe zukommt, uns dabei zu unterstützen: Patientenanwalt, Arbeiterkammer, Beschwerdestellen von Ministerien, Help-TV und vieles mehr. Aber oft hilft schon ein klärendes Gespräch, unter Umständen mit einem Vorgesetzten desjenigen, der uns abwimmeln möchte. Nicht zu unterschätzen sind auch Leserbriefe an Tageszeitungen. Man muss sich vor Augen halten: Keiner der Leute in den Institutionen verwaltet sein eigenes Geld: Es ist unser Geld, es sind unsere Beiträge, die sie da mehr oder weniger großzügig und mehr oder weniger gerecht verteilen! Da wird es doch wohl gestattet sein, dass wir da gelegentlich ein Wörtchen mitreden! |
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