Textprobe 1:
Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen nun in Buchform einem breiteren Fachpublikum zugänglich gemacht werden, und zwar mit gutem Grund: Obwohl gerade für diese Lehrveranstaltung viel Begleitmaterial im Internet zur Verfügung gestellt wurde, kam dies der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema "Lehren und Lernen im Internet" bisher kaum zugute, denn in der Realität der wissenschaftlichen Arbeit ist das Internet noch kaum existent. Man kann noch so viel wissenschaftliches Material ins Internet stellen, all das ist erfahrungsgemäß kurzlebig und vergänglich, zitierte Internet-Adressen sind oft von heute auf morgen verschwunden. Jedes veröffentlichte Buch wird hingegen auch in hundert Jahren in einer der großen öffentlichen Bibliotheken noch zu finden sein, denn jeder Verlag muss Pflichtexemplare dorthin entsenden. Ob Datenträger aus unserer Zeit dann noch decodierbar sein werden, darf bezweifelt werden, obwohl viele Experten das felsenfest behaupten. Die Wissenschaft legt daher mit gutem Grund nach wie vor Wert auf Gutenbergs Erfindung, das Printmedium. Es ist aber auch noch aus vielen anderen Gründen unverzichtbar: Ich brauche es, um es jemandem in die Hand zu drücken, damit es aus einer Bibliothek entlehnt oder eventuell sogar in einer Buchhandlung gekauft werden kann, damit man mich zitieren kann und - last but not least - damit es auf meiner Publikationsliste zu finden ist. Eine Literaturliste ist der Nachweis der Auseinandersetzung mit bestimmten Themen, die nicht durch Verweise auf Online-Publikationen ersetzt werden kann. Eine ähnliche Überlegung hatte bereits in der Vorbereitungszeit der virtuellen Lehrveranstaltung im Jahre 2000 dazu geführt, das Skriptum "Sprachpädagogik im Internet" in gedruckter Form herauszubringen. Allerdings stand damals bereits im Untertitel "Ein Skriptum im Medienverbund mit dem Internet".
1. Überblick zum Thema eLearning 1.1. Begriffsbestimmung und Abgrenzung Begriffe und Kürzel wie "Web Based Training (WBT)", "Lernplattform", "LMS", "Teletutoring", "eTraining", "eCoach", "Blended Learning", "Virtual Classrooms", "Groupware", "Online Kurse", "Online collabora-tion", "Webseminar" usw. tragen zu weiteren Verwirrungen bei. Eine Begriffsklärung und Einordnung der unterschiedlichen Ansätze, Lerntheorien und möglichen eLearning-Szenarien soll deshalb zunächst eine Orientierungshilfe im Dschungel eLearning geben. Es gibt inzwischen eine breite Palette von Definitionen des Begriffs eLearning. Die nachstehende Definition stellt den kleinsten gemein-samen Nenner dar: "eLearning wird verstanden als Lernen im Sinne der Aneignung und Hinzugewinnung von Wissen, das mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützt und ermöglicht wird." Unter diese Definition fallen CD-ROMs, Lernsoftware, Ton- und Filmdokumente genauso wie netzbasierte Tools in Form von eMail, Videokonferenzen, der Einsatz von Groupware, Lernplattformen, Webkonferenzen, virtuellen Klassenräumen u.v.m. Aus lerntheoretischer Sicht werden sowohl kognitionstheoretische als auch konstruktivistische Aspekte angesprochen, wobei die konstrukti-vistischen Ansätze heute als bedeutsamster lerntheoretischer Rahmen zur Beschreibung individualisierter Lernprozesse angesehen wird. Hierbei geht man von folgenden Annahmen aus:
Peter Baumgartner vertritt die Ansicht, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie aus didaktischer Sicht nicht neutral sei und führt dazu aus: "Hinter jedem Medieneinsatz für
Bildungszwecke, hinter jeder Software oder Internetanwendung verbirgt
sich ein theoretisches Lernmodell-unabhängig davon, ob dies den Betreibern
(Software) Entwicklern, Anwendern etc. bewusst ist oder nicht.
Unter anderem deuten zwei Faktoren auf die Notwendigkeit einer differenzierteren Betrachtungsweise hin:
Will man also, insbesondere innerhalb der Lehrerfortbildung,
effektive und akzeptable Angebote zur Verfügung stellen, wird man
in vielen Fällen kompakten und zeitlich dichten Methoden den Vorzug
geben.
Textprobe 3: 1. Erwartungshaltungen Manche davon haben sich zweifellos erfüllt:
Satellitentechnik, Raumfahrt und Mondlandung wären ohne Computersteuerung
nicht möglich gewesen: Auch ein ganzer Saal von Mathematikern hätte
die nötigen Rechenoperationen nicht in jenen Bruchteilen von Sekunden
ausführen können, wie es der Computer vermochte. 1.1. Erwartungen in Lerntechnologien "Als es der Menschheit gelang, Informationen mit Hilfe von Schrift und Bild "extern", d.h. außerhalb des eigenen Gedächtnisses, zu speichern, bedeutete dies einen wesentlichen Impuls für die Fortent-wicklung von Kultur und Wissenschaften - insbesondere in den letzten 2000 Jahren. In jüngster Zeit trat zur externen Informationsspeiche-rung die Möglichkeit zur externen Informationsverarbeitung mit Hilfe von Computern hinzu. Dadurch sind erneut bedeutsame Anstöße für die Weiterentwicklung der geistigen Leistungsfähigkeiten des Men-schen zu erwarten." Selbst wenn man sich auf die Fachliteratur beschränkt, die seit den Achtzigerjahren über computerunterstütztes Lernen erschienen ist, befindet man sich in einer ansehnlichen Bibliothek. Jedes neue Schlagwort - etwa "Hypertext" oder "Multimedia" - hat die Bücher-schränke neu gefüllt. Eine besondere Wunschvorstellung dabei sind etwa "intelligente tutorielle Systeme" , Lernsysteme auf der Basis von AI, die sich an die jeweilige Situation jedes einzelnen Lerners individuell anpassen. Das Bild der Situation wird vervollständigt durch die zahlreichen hochkarätig besetzten nationalen und internationale Tagungen und Symposien, die jedes Jahr abgehalten werden. Dabei wurden auch schon seit Jahrzehnten dezidierte Anforderungen an Lernprogramme formuliert und umfangreiche Checklisten zusammengestellt. Die didaktischen Grundlagen mit lernpsychologischem Hintergrund reichen mit zahlreichen Zwischenstufen vom Behaviourismus über den Kognitivismus bis zum Konstruktivismus. 1.2. Erwartungen in das Internet
Textprobe 4: Dies ist der Erfahrungsbericht einer Studentin zum Thema E-Learning. In diesem Beitrag möchte ich meine ganz persönlichen, also sehr subjektiven Erfahrungen mit dem virtuellen Seminar "Sprachpä-dagogik im Internet" schildern. Zunächst soll in einer Art Rückblick deutlich werden, wie ich in diese innovative Lehrveranstaltung überhaupt "hinein geschlittert" bin. September 2001. Es regnete in Strömen
in der sonst so sonnigen Stadt Lausanne und ich beschloss, mir den Nachmittag
ein wenig im Computerraum der Universität zu vertreiben. Ein Jahr
hatte ich nun in der Westschweiz studiert, und die Rückkehr nach
Österreich nahte. Höchste Zeit also, Zukunftspläne zu schmieden.
Zum Beenden meines Studiums (Französisch und Spanisch Lehramt) fehlte
mir nur noch die Fertigstellung meiner Diplomarbeit sowie eine fachdidakti-sche
Lehrveranstaltung. Diese wurde an meiner Stammuniversität Salzburg
nur im Sommersemester angeboten, weshalb sich also mein Studienabschluss
um ein ganzes Semester verzögert hätte. Da kam mir der rettende
Gedanke: vielleicht könnte ich die Lehrveranstaltung an einer anderen
österreichischen Hochschule bereits im Winterse-mester absolvieren?
::::::::::::: Im Folgenden stelle ich einige persönliche Bemerkungen zusammen und lasse die Frage offen, ob man einige Aussagen generalisieren kann. Ich beziehe mich hier v.a. auf den Gegenstand "deutsche Grammatik", also auf ein Gebiet, wo grammatische Operationen und linguistisches Argumentieren wichtig sind. Zu den unterrichtspraktischen Vorteilen dieser Lernmethode gehört: 1. Man hat zu Haus ein gewohntes Arbeitsfeld,
das bereits nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen eingerichtet
ist: Lehrbücher, Nachschlagewerke und Arbeitsunterlagen sind zur
Hand, am Rechner finden sich Wörterbücher, vielleicht sogar
vorbereitete Lektionen, und über das Internet kann man sich zusätzliche
Informationen beschaf-fen. Wer schon einmal in einem überfüllten
Hörsaal die Rede eines vor sich hinnuschelnden Vortragenden mitschreiben
musste, womög-lich sogar auf improvisierten Schreibunterlagen, weiß,
was ich meine. Ich gestehe: Ich habe in meinem Studium sehr selten nach
selbst hergestellten Mitschriften gelernt, sonder entweder nach Skripten
oder nach eigenen Exzerpten aus Lehrbüchern. Entweder zuhören
oder mitschreiben, das hatte ich zur Wahl, und ich habe mich fast immer
für Ersteres entschieden. 4. Durch den Einbezug von Tonmaterialien und Internetmaterialien kann die Präsentation gezielt vernetzt werden. Auch das hilft zum Verständnis der Lehrinhalte. So weit, so gut: Bis hierher könnte man sich auch vorstellen, dass man mit einem einfachen Lehrfilm Ähnliches erreichen könnte. Doch dazu kommen noch entscheidende unterrichtsmethodische Vorteile: 1. Der ständige Dialog mit der Lehrperson, besonders im Bereich des entdeckenden Lernens. Hier ist es nicht genug, Lehrinhalte vorzutra-gen, sondern das Verständnis dieser Lehrinhalte gezielt zu steuern. Erst durch gemeinsames Tun lässt sich Sinnvolles entwickeln. Abstrakte Kategorien, einfach vorgetragen, können nur auswendig gelernt werden. Daraus ergeben sich sehr selten brauchbare Kennt-nisse. Erst in der Anwendung, in der praktischen Durchführung, zeigt sich der Erfolg. Jeder Studierende muss daher die Möglichkeit haben, eigene Daten einzubringen und an der virtuellen Tafel selbst etwas zu schreiben und zu zeigen. Je besser das Programm das erlaubt, desto sicherer werden die Lernfortschritte sein. 2. Die Möglichkeit, gezielt Studierende zu einer Antwort aufzufordern. Zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung dieses Wissens klafft oft geradezu ein Abgrund. Diesen Abgrund muss man auch zeigen können: Ich muss mit meinem virtuellen Zeigefinger auf eine Person zeigen können und sie zu einer Antwort auffordern können. Erst das gibt mir (und meinem "Opfer") die Möglichkeit zu erkennen, ob gesichertes Wissen vorhanden ist. Dazu kommen noch organisatorische Vorteile. Es wird immer
öfter notwendig sein, auch außerhalb des Regelstudiums zu lernen
und sich nach dem Studium weiterzubilden. E-Learning braucht keine Hörsäle
und kann auch in den Ferien stattfinden, jederzeit und an jedem Ort. Ich
schreibe diesen Text am 23. Juni 2003 um 21 Uhr 50 bei schwü-lem
Wetter (32°), herankommendem Gewitter und daher in einer "Kleidung",
in der ich mich an der Universität nicht zeigen dürfte. Deshalb
stehe ich auch Webkameras etwas skeptisch entgegen.
1. Evaluation
Gegenüber einer "Präsenzveranstaltung" gab es folgende Vorteile:
Gegenüber einer "Präsenzveranstaltung" gab es folgende Nachteile:
Die virtuelle Lehrveranstaltung kann im Vergleich mit einer Präsenzveranstaltung daher durchaus als gleichwertig betrachtet werden. Das ist also die gute Nachricht. Es bedeutet, dass internetgestütztes Lehren und Lernen unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich funktioniert. Quod erat demonstrandum! ::::::::::::: 2. Das Ende eines Mythos Rückblickend kann man heute feststellen, dass das Internet von Beginn an vor allem ein Mythos gewesen ist. "Das Internet realisiert auf exemplarische Weise die telematische Basistechnologie der Informationsgesellschaft, die aus der Ver-schmelzung der digitalen Medien mit der Telekommunikationsinfra-struktur hervorgegangen ist. Es symbolisiert aber zugleich auch auf geradezu paradigmatische Weise die Ideen und Ideale, aus denen sich unser gegenwärtiges Bild der zukünftigen Gesellschaft zusam-mensetzt... Mehr als eine Technologie ist das Internet zu einem Mythos geworden, an den sich Hoffnungen und Ängste knüpfen." ::::::::::::: 2.6. Ist das Medium wirklich die Botschaft? Als die erste große Internet-Welle über uns hinwegschwappte, wurde man unwillkürlich wieder an diesen Slogan erinnert. Bald entstanden aber erstmalig Zweifel an der Richtigkeit des Ausspruchs. Was man sich in Hinblick auf Unterhaltung, vor allem, was das Fernsehen betraf, vielleicht gerade noch hatte einreden lassen, das wurde im pädagogischen Bereich nun doch hochgradig hinterfragenswert. Ging es wirklich nur mehr um das "Medium"? Waren die Inhalte wirklich völlig schnurzegal? Etwa um diese Zeit - es gibt keine Zufälle - begann man sich auch in Amerika wieder darauf zu besinnen, dass mit dem Medium Internet ja schließlich auch etwas transportiert werden sollte. Plötzlich tauchte immer wieder der neue Begriff "Content" auf, und wurde sofort auch bei uns, wie alles andere, was aus Amerika kam, 1:1 übernommen: Content Management, Content Provider, Content Solutions, Content Checklisten, Content-Pakete und so fort. Dennoch handelte es sich zunächst
eher um die Repetition eines neuen Modewortes. Ein Umdenken hatte noch
nicht stattgefunden. In der Praxis beschäftigte man sich nach wie
vor mit Hardware, mit Netzanschlüssen oder gar mit der "Vernetzung"
von Standorten. Was den "Content" betrifft, war man - wie immer
- weit zögerlicher. Das Ganze erinnerte ein wenig an Gerhard Bronners
unvergesslichen Vers, der in diesem Zusammenhang übrigens immer wieder
zitiert wird: "I hab zwar ka Ahnung, wo i hinfahr, aber dafür
bin i g'schwinder durt!" 5.4.2. In Linz beginnt's Die Universität Linz bietet als einzige österreichische Universität ein vollständiges Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften auf der Basis von E-Learning an. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät führte im Diplomstudium der Rechtswissenschaften alle modernen Techniken der Telekommunikation ein und konzipierte ein neues virtuelles Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften, das mit dem Präsenzstudium inhaltlich und in den Prüfungen identisch ist. Das Studium basiert auf sechs Elementen: Auch Prüfungen per Internet Studierende können elektronisch entweder zeitgleich oder zeitversetzt durch Abruf der Lehrveranstaltung zu jedem beliebigen Termin teilnehmen. Fragen können per E-Mail etc. übermittelt werden. Prüfungen werden zeit-, aufgaben- und korrekturgleich mit den Prüfungsarbeiten an der Universität Linz abgelegt. Absolventen wird in feierlicher Form der akademische Grad des/der "Magister/ra juris" verliehen. Das Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften startet im Wintersemester 2002/03 nach vierjährigem Versuchsbetrieb in der angeführten neuen Konzeption mit Präsenzphasen in Bregenz (Vorarlberg - ab 27. September 2002), Villach (Kärnten - ab 30. September 2002) und voraussichtlich in Stadtschlaining (Burgenland - ab 14. Oktober 2002). Studierende könne frei wählen, an welcher der drei Präsenzphasen sie teilnehmen. Vorteile des virtuellen Studiums. Es ermöglicht:
Es bietet:
::::::::::::: ::::::::::::: 6.1. Budgetprobleme Im Oktober 2003 war in einer Tageszeitung etwa folgendes zu lesen: "Technischer Universität geht das Geld aus: Weniger Unterricht wegen Finanzkrise Bis jetzt konnte der Lehrbetrieb trotz der finanziellen Misere an der Wiener TU aufrechterhalten werden. Das ist aber Vergangenheit: Die ersten Lehrveranstaltungen wurden jetzt gestrichen. Chemiestudenten müssen heuer ohne Labors auskommen. Auch versprochene Neubauten sind nicht freigegeben. Nur eine einzige Labor-Übung für die Erstsemestrigen kann wegen der finanziellen Misere an der TU abgehalten werden. Falls das versprochene Geld Anfang 2004 aber doch ausgezahlt wird, müssten alle anderen Chemie-Studenten in ihren Ferien das Versäumte nachholen. "Die Mehrbudgetierung wird aber nicht einmal reichen, um das heurige Finanzloch zu stopfen", befürchtet ein Sprecher der TU. Und: Viele Studierende können durch diese Verzögerung wichtige Beihilfen verlieren. Auch seien versprochene Neubauten nicht fertig - und die Sanierung des Chemie-Hochhauses sei längst überfällig. Dort könnte die Lehre aus Sicherheitsgründen jeden Tag eingestellt werden." Meldungen dieser Art gehören bereits zur Regel, und die apostro-phierte Finanzkrise ist keineswegs auf Österreich beschränkt. Man muss daher gar nicht wirklich vom Paulus zum Saulus werden, um zu befürchten, dass in Hinkunft auch für ausgesprochene Lieblingsprojekte mancher Universitäten die finanzielle Bedeckung nicht mehr so leicht gefunden werden wird wie bisher. Manche recht positiven Ansätze werden daher schlicht und einfach dem Rechenstift zum Opfer fallen. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Durch die Feststellung dieser Fakten sollen die erwähnten hervorragenden Pionierleistungen nicht abgewertet werden. Doch aus der Existenz herausragender Vorreiter-Projekte sind Schlüsse auf den allgemeinen Standard der Zukunft nicht zulässig. 6.2. Amerika, hast du es besser? Dennoch ist ein Schielen nach dem Vorbild U.S.A. da und dort nicht zu verkennen. Deshalb dürfte es nicht uninteressant sein, in diesem Zusammenhang auch die amerikanischen Erfahrungen mit dem Lehren und Lernen im Internet mit einzubeziehen, zumal dieser Trend in Amerika schon viel früher begonnen hat als bei uns. Dabei stellt es sich nämlich heraus, dass es eigentlich ein Flop geworden ist! Rolf Schulmeister, Professor an der Universität
Hamburg, hat im Abstand von zwei Jahren zwei hochinteressante Publikationen
zur "Virtuellen Universität" und zum "Virtuellen Lernen"
vorgelegt. Darin bezieht er sich auch auf die Situation in Amerika und
kommt zu folgenden interessanten Schlüssen:
Des weiteren führt Schulmeister aus: "Die Verfechter der virtuellen Universität singen das Lied vom Untergang der Alma Mater. ... Eine solche Tendenz ist nicht zu erkennen. Dennoch wiederholen unsere Hochschulpolitiker die Thesen der Zukunfts"forscher". Sie prognostizieren hohe Anteile für die virtuelle Ausbildung und drohen den klassischen Universitäten einen vernichtenden Verdrängungswettbewerb an, sofern sie nicht auf diesem Instrument spielen. Ich glaube jedoch nicht, daß unsere Präsenzuniversitäten Angst vor der Konkurrenz der virtuellen Bil-dungsträger haben müssen." 6.3. Der "Mehrwert" des virtuellen
Lernens "Es wird immer wieder behauptet, daß virtuelles Lernen einen didaktischen Mehrwert habe. ... Ich bin in meinen bisherigen Experimenten mit virtuellen Seminaren eher zu dem gegenteiligen Schluß gekommen, daß man als Hochschullehrer enorme zusätzliche Anstrengungen unternehmen muß, um sicherzustellen, daß ein virtuelles Seminar mit all seinen durch die Technik bedingten Ein-schränkungen annähemd die gleiche Qualität aufweist wie ein Präsenzseminar." Dies ist genau dieselbe Erfahrung, die auch wir bei unserer virtuellen LV gemacht haben. Darauf wurde bereits mehrmals ausdrücklich hingewiesen: Es hat zwar funktioniert, aber mit wesentlich höherem Aufwand als bei der Präsenzveranstaltung! Schulmeister schreibt aber weiter: "Was immer wieder übersehen wird, wenn die "positiven" Aspekte der virtuellen Lehre betont werden, z.B. die Möglichkeiten, individuell auf einzelne Lernende einzugehen, sind die günstigen Betreuungsrelationen (z.B. 1:12) virtueller Universitäten, die mit Hilfe der Studienge-bühren ermöglicht werden, und der vermehrte Einsatz von Tutoren selbst für kleinste Lerngruppen. Wenn ich in einer Präsenzuniversität nur Lehrveranstaltungen für 10-12 Studierende anbieten könnte und selbst in derart kleinen Gruppen noch Tutoren einsetzen kann, könnte ich meinen Studierenden eine ähnlich intensive Betreuung angedeihen lassen wie in virtuellen Universitäten." Damit steht wohl von vornherein fest: Ein Einsparungseffekt, wie er von manchen - analog zum Einsatz des virtuellen Lernens in der Wirtschaft - erwartet wird, ist auf keinen Fall zu erwarten, denn die Kosten für die Betreuung der Studierenden sind beim virtuellen Lernen wesentlich höher als bei Präsenzveranstaltungen. |