In der Forschungsgeschichte hat sich in den letzten Jahrzehnten die 1987 von Michael Clyne erstmals vorgertragene Überzeugung, dass das Deutsche eine plurizentrische Sprache ist und kein einzelnes, ausstrahlendes Zentrum (wie London für das Englische oder Paris für das Französische), sondern (nach Ulrich Ammon) mehrere Voll- und Halbzentren hat, durchgesetzt. Es zeigt sich auch immer deutlicher, dass die in der Forschung bisher übliche Unterscheidung von Standardsprache (älter: „Hochsprache“), Umgangssprache und Dialekt zu starr bzw. zu idealsiert ist, sodass sie bei der praktischen Anwendung versagt. Die Grenzen sprachlicher Schichten und Stile sind so fließend und werden von so vielen außersprachlichen Faktoren wie Ort, Situation, sozialer Stellung der Kommunikationspartner, Öffentlichkeitsgrad u.v.a.m. determiniert, dass sich der Ausdruck „Alltagssprache“ besser dafür eignet. Darunter versteht man die Diskurssituation, die im „normalen“ Alltagslebens (wie beim Einkaufen, in der Familie, mit Freunden etc.) vorliegt und die nach gewissen Gesichtspunkten sprachlich „markiert“ wird. Es ist zu erwarten, dass Forschungen, die diese pragmatische Voraussetzungen besser berücksichtugen, auch konkretere Ergebnisse liefern werden.
Es ist mir eine ganz besondere Freude, dass Elke Peyerl nun aus dem Material des WÖP die so genannten „Zwillings-“ oder „Paarformeln“ als erste selbständige Publikation zusammengestellt hat und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Damit liegt zum ersten Mal eine verifizierte homogene Datensammlung vor, d.h. es handelt sich um sprachliche Ausdrücke, die gegenwärtig in ganz Österreich gekannt und auch wirklich verwendet werden. Es ist zugleich auch das erste Werk zur Alltagssprache in Österreich, und so passt es wunderbar zusammen, dass damit eine neue Buchreihe eröffnet wird. Ich wünsche der Autorin und dem Verlag den großen Erfolg, den sie mit diesem Projekt verdienen, und uns Lesern und Rezipienten weitere Arbeiten in dieser Richtung.
Univ. Prof. Dr. Peter Ernst
Institut für Germanistik der Universität Wien
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